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Die Zeit des großen Sterbens

Wie spannend Forschung in Ortsgeschichten sein kann, davon berichtete Ulrike Marski beim ersten Vortrag in der diesjährigen Reihe der Bürgerstiftung Fichtenberg.

KARL-HEINZ RÜCKERT |

Beim Zwischenbericht zur Ortsgeschichte von Fichtenberg, die Ulrike Marski für das geplante Heimatbuch der Gemeinde gerade erforscht, offenbaren sich neue Erkenntnisse. Gleichzeitig wird deutlich, dass die historischen Aufzeichnungen in den Archiven in großen Zusammenhängen gesehen werden müssen.

Ulrike Marskis Vortrag war daher wie ein Blick durch das Schlüsselloch der Geschichte in der Rottalgemeinde. Am Beispiel der akribischen Aufzeichnungen des Pfarrers Blessing, der zu Beginn des 17. Jahrhunderts fast ein halbes Jahrhundert die Pfarrstelle in Fichtenberg innehatte, hinterfragte die Historikerin das Leben und die Bevölkerungsentwicklung in der Gemeinde. Dank der Protokolle konnte die Anzahl der Haushalte von 1605 bis 1652 im Pfarrbezirk Fichtenberg ermittelt werden.

Eine dramatische Zeit - es waren die Jahre des dreißigjährigen Krieges und der Pest. Der sprunghafte Anstieg der Begräbnisse, die der Pfarrer registrierte, warf dennoch Fragen auf. Eine anschauliche tabellarische Aufstellung, die Ulrike Marski aus den Aufzeichnungen zusammenstellte, löste das Rätsel nur teilweise.

Ein Teil der Lösung findet sich in Blessings Büchern. Verarmte und Fremde, die auf der Flucht vor den bedrohlichen Ereignissen waren, machten einen gehörigen Anteil der Beisetzungen aus. Tatsächlich ist belegt, dass viele Landbewohner damals Zuflucht und Schutz in größeren Städten suchten.

Für Ulrike Marski war in der Folge ihrer Nachforschungen der Anstieg der Eheschließungen unter den Einwohnern ein erstaunliches Phänomen: "Die Karten wurden im Ort neu gemischt!" Für die Besucher des Vortrags - unter ihnen einige Co-Autoren des Heimatbuches - ein Zeichen des Willens zu überleben und die Lücken zu schließen, die durch die hohe Sterblichkeit aufgerissen wurden.

Nicht weniger Aufmerksamkeit erregte der Bericht der Historikerin über die Methoden der Bauforschung. Analysen der Siedlungsstruktur, die äußere Gestaltung der Gebäude, Konstruktion und Zimmertechnik lassen nur vage Aussagen über das Alter von Gebäuden zu. Ein verlässlicheres Instrument der Altersbestimmung sei die Untersuchung des Bauholzes, stellte die Historikerin fest.

Mit einem Bericht über den Stand der Themenbearbeitung zum Heimatbuch beschloss Ulrike Marski ihren fundierten Vortrag, der von den Zuhörern begeistertet aufgenommen wurde. Vielleicht kann Bürgermeister Roland Miola, der auf der Bürger- und den Teilortsversammlungen zum Mitmachen beim Heimatbuch geworben hatte, auf weitere Autoren hoffen.

Zum Abschluss des Vortragabends stellte Birgit Bayer einige Aufnahmen aus ihrer historischen Bildersammlung vor. Mit Hilfe von Gustl Wörner wurden deren Örtlichkeiten und die darauf abgebildeten Personen entschlüsselt.

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