Stromausfall in Reutlingen: Brand in Umspannwerk legt die Versorgung lahm – Verdacht auf Anschlag

In Reutlingen und Umgebung ist die Stromversorgung nach einem Brand an einem Umspannwerk stundenlang beeinträchtigt.
Eibner/Dimitri Drofitsch- Stromausfall in Reutlingen und Umgebung in der Nacht zu Montag, Ursache war ein Brand.
- Betroffen waren Kernstadt, Oststadt, Betzingen, Ohmenhausen sowie Wannweil und Kirchentellinsfurt.
- Das Mobilfunknetz fiel offenbar ebenfalls aus – die Wasserversorgung blieb stabil.
- Seit etwa 5.45 Uhr wird der Strom schrittweise wiederhergestellt, viele hatten um 6.35 Uhr noch keinen Strom.
- Die Brandursache ist laut Polizei noch unklar.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In Reutlingen und mehreren Orten in der Umgebung ist in der Nacht zu Montag (8.6.) der Strom ausgefallen.
Nach Angaben des Netzbetreibers gibt es Anzeichen für eine Brandstiftung in einem Umspannwerk. Es seien drei Brandstellen gefunden worden, außerdem seien der Zaun und das Gelände vor der Anlage beschädigt, sagte ein Sprecher von Netze BW. Ein Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württemberg sagte, die Polizei ermittle in alle Richtungen. Das Reutlinger Polizeipräsidium hält sich mit seinen Aussagen allerdings zurück: „Wir können die drei Brandstellen nicht bestätigen. Von einem technischen Defekt bis zu vorsätzlicher Brandlegung ist alles denkbar“, sagt Pressesprecherin Tina Rempfer.
LKA-Brandsachverständige seien in die Ermittlungen eingebunden. Das sei bei Vorfällen ab einer bestimmten Dimension aber üblich, erklärt der Sprecher des Landeskriminalamts. Reutlingens Pressesprecherin Rempfer erklärt, dass noch keine Sonderkommission eingerichtet worden sei. „Das LKA wird den Fall übernehmen.“
Aktuell noch mehr als 7600 Haushalte ohne Strom
Nach Angaben von Netze BW ist das Umspannwerk Reutlingen-West betroffen. Seit 1.45 Uhr sei das Umspannwerk ausgefallen. Fünfeinhalb Stunden später seien etwa die Hälfte der betroffenen rund 20.000 Kunden der Fairnetz GmbH, des Strom- und Gasnetzbetreibers in der Region Reutlingen, wieder versorgt. Aktuell, gegen 8.40 Uhr, sind laut Klaus Leibfritz, Pressesprecher der Fairnetz Reutlingen, weiterhin 7600 Haushalte mit etwa 30.000 Personen ohne Strom. Vor allem in den westlichen Stadtbezirken Betzingen, Ohmenhausen und dem Gewerbegebiet Mark-West sowie in den Gemeinden Kirchententellinsfurt und Wannweil sind Haushalte unversorgt. Die Reutlinger Innenstadt sei weitestgehend wieder mit Strom versorgt, so Leibfritz.
In den Gebieten, die noch nicht wieder am Netz sind, werde die Wiederherstellung der Stromversorgung mindestens 48 Stunden dauern, sagt Richard Huber vom Netzbetreiber Netz-BW. „Es könnte aber auch noch mehr Zeit in Anspruch nehmen.“
Kühltruhen verkraften einen Stromausfall von acht Stunden
Viele Betroffene fragen sich besorgt, was denn bei einem Stromausfall mit den Lebensmitteln in der Kühltruhe passiert. „Eine Unterbrechung von acht Stunden macht gar nichts aus. Neuere Geräte verkraften sogar eine noch längere Stromunterbrechung“, sagt Huber, der bei Netz-BW sowohl den Netzbetrieb als auch das Notfallmanagement leitet.
Seit 12.15 Uhr hat auch das Betzinger Rathaus wieder Strom. „Es ist wohl noch glimpflich abgelaufen“, sagt Ortsvorsteher Friedemann Rupp. Meldungen von größeren Schäden seien bei ihm noch nicht eingegangen. Auch er bestätigt, dass Kühlschränke oder Tiefkühltruhen einen zeitlich begrenzten Stromausfall von einigen Stunden verkraften würden.
Die beiden Energieunternehmen teilen sich den Angaben zufolge das Umspannwerk. Dem Sprecher zufolge leistet Netze BW beim Wiederaufbau der Stromversorgung Amtshilfe.
Sondernummer für Bürgerinnen und Bürger
Eine belastbare Prognose zur vollständigen Wiederherstellung der Stromversorgung ist derzeit noch nicht möglich, erklärt die Fairnetz. Bürgerinnen und Bürger erhalten die aktuellsten Informationen unter www.fairnetzgmbh.de sowie der Sondernummer (07121) 31945300. In medizinischen Notfällen gilt weiterhin die Notrufnummer 112.
Ein Betroffener berichtete der Redaktion, dass nicht nur sämtliche elektrische Geräte, sondern auch das Mobilfunknetz plötzlich nicht mehr funktionierten. Die Wasserversorgung ist aber nicht beeinträchtigt.
„Anschlag kann nicht bestätigt oder dementiert werden“
Betroffen war auch das Polizeipräsidium in der Reutlinger Innenstadt. „Bei uns ist das Notstromaggregat angesprungen. Die Arbeit war nicht beeinträchtigt“, sagt Pressesprecher Michael Schaal. Obwohl die Ampeln großflächig ausgefallen sind, wurden keine Unfälle gemeldet. „Alle unsere Streifen sind in der Nacht an die neuralgischen Punkte ausgerückt. Auch ein Krisenstab ist mit der Stadt eingerichtet worden.“
Derzeit seien Brandsachverständige und andere Experten vor Ort im Betzinger Gewerbegebiet Mark-West. Ob es sich um einen Anschlag in dem Umspannwerk in der Markwiesenstraße handelt, könne er noch nicht sagen: „Wir sind am Anfang der Ermittlungen und können einen solchen Verdacht weder bestätigen noch dementieren“, sagt auch Schaal.
Erinnerungen an Berliner Brandanschläge
Der Vorfall erinnert an einen mutmaßlich linksextremen Brandanschlag auf die Stromversorgung eines Berliner Technologieparks. Nach dem Anschlag am 9. September 2025 auf zwei Strommasten waren zeitweise rund 50.000 Privathaushalte und rund 2000 Gewerbebetriebe von einem Stromausfall betroffen. Ein weiterer Anschlag auf Starkstromkabel in Berlin war am 3. Januar verübt worden. Er dauerte noch länger als der im September.
„Kontrollierter Wiederanlauf“ im Reutlinger Bosch-Werk
Natürlich sind neben privaten Haushalten auch Unternehmen vom Stromausfall betroffen. Im Halbleiterwerk von Bosch in Reutlingen befinde man sich „im kontrollierten Wiederanlauf“, teilt eine Bosch-Sprecherin auf Anfrage mit. Im Steuergerätewerk in Kusterdingen habe Bosch nach wie vor keine Stromversorgung.
Bäckereien können erst mit Verspätung öffnen
Als die Beschäftigten der Filiale von Bäckerei Padeffke in der Betzinger Steinachstraße um 5.30 Uhr ihre Arbeit aufnehmen wollten, kamen sie wegen des Stromausfalls nicht ins Gebäude des Edeka-Markts. „Erst um 6.05 Uhr, als der Strom wieder da war, ging die Tür auf. Dann mussten wir schnell den Ofen hochheizen“, sagt Verkäuferin Angelica Stambulzhe. Die Kundschaft sei aber zur normalen Zeit gekommen. „Deshalb war es sehr stressig für uns. Aber jetzt ist wieder alles normal“, sagt sie.
Gleiche Probleme hatte die Bäckerei Keim in ihrer Filiale in der Reutlinger Wilhelmstraße: „Meine Chefin hatte mich vorgewarnt, deshalb bin ich mit einem Schlüssel durch einen Seiteneingang ins Geschäft. Aber die Ladentür konnten wir um 5.30 Uhr nicht öffnen“, sagt Verkäuferin Fatima Anqache. Kurz darauf begann der Verkauf ganz normal mit der Ware, die von der Zentrale im Ortsteil Mittelstadt angeliefert wurde.
Die Bäckerei Hans Wucherer schräg gegenüber hatte dagegen weniger Glück. In seiner Backstube ging gar nichts, weshalb in Reutlingens ältester Bäckerei an diesem Tag gar nichts ging. Im Schaufenster informierte ein Schild die Kundschaft: „Wir haben aufgrund des Stromausfalls heute geschlossen. Wir begrüßen Sie gerne morgen wieder.“

