Mutmaßliche Amokfahrt in Leipzig
: Motiv weiter unklar - Täter war polizeibekannt

Mitten in Leipzig fährt ein Autofahrer mehrere Menschen an - zwei von ihnen sterben. Ermittler gehen nicht von einem politischen Motiv aus. Nun soll der Mann einem Haftrichter vorgeführt werden.
Von
Isabelle Jahn,
Steffen Wolff,
dpa ,
AFP STATISTISCH
Leipzig
Auto in Leipzig in Menschengruppe gefahren

Ein 33-Jähriger war mit seinem Fahrzeug in der Innenstadt von Leipzig in eine Menschenmenge gefahren.

Jan Woitas/dpa
  • Auto fährt am Montagnachmittag in Leipzig in Menschenmenge – zwei Tote, zwei Schwerverletzte.
  • Fahrer ist 33-jähriger Deutscher aus Sachsen. Er wurde im Fahrzeug festgenommen.
  • Route laut Polizei: vom Augustusplatz über die Grimmaische Straße bis in den Bereich Markt.
  • Polizei spricht von chaotischer Lage, bittet um Nutzung verifizierter Quellen und keine Spekulationen.
  • Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes und versuchten Mordes. Hinweise auf Amoktat.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Polizei geht nach bisherigen Erkenntnissen nicht von einem politischen oder religiösen Motiv des Täters aus. Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sagte ebenfalls am Montagabend, bei dem festgenommenen Fahrer handle es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Einzeltäter, einen Amoktäter.

Bei der Tat wurden eine 63-jährige Frau und ein 77-jähriger Mann getötet, drei Menschen wurden schwer verletzt. Die beiden Todesopfer seien ebenfalls Deutsche, wie die Polizei mitteilte. Zudem gab es viele weitere Verletzte, wie Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sagte.

Nach Angaben der Polizei sind insgesamt etwa 80 Menschen betroffen. Wie viele von ihnen körperlich verletzt wurden, war zunächst unklar. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes in zwei Fällen und versuchten Mordes in mindestens zwei Fällen.

Fahrer kurz nach der Tat festgenommen

Der Fahrer wurde aber kurze Zeit nach Bekanntwerden des Vorfalls noch in seinem Fahrzeug widerstandslos festgenommen. Das teilte die Polizei auf der Plattform X mit. Der mutmaßliche Amokfahrer war bereits vor der Tat polizeibekannt. Nach dpa-Informationen war der 33-jährige Deutsche allerdings nicht einschlägig bekannt, das heißt, nicht wegen ähnlicher Taten wie jener vom Montag. Zuvor hatte die „Leipziger Volkszeitung“ darüber berichtet.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung sprach nach dem Vorfall in der Leipziger Innenstadt von einer Amokfahrt. Es gebe zwei Tote, Schwerverletzte und viele weitere verletzte Menschen, sagte der SPD-Politiker. Die Gedanken seien bei den Opfern. „Es ist kaum zu ertragen, eine solche Tat an einem Montagnachmittag“, sagte Jung. Er dankte den Rettungskräften.

Kretschmer spricht von mutmaßlicher Amokfahrt

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hatte bereits zuvor von einer mutmaßlichen „Amokfahrt“ gesprochen. „Das erschüttert mich zutiefst. Ich bin in Gedanken bei den Opfern und ihren Familien“, sagte Kretschmer. „Den Verletzten wünsche ich Kraft und schnelle Genesung. So eine Tat macht uns sprachlos – und sie macht uns entschlossen. Wir werden alles daransetzen, sie schnell und vollständig aufzuklären. Der Rechtsstaat wird mit aller Konsequenz handeln.“

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes in zwei Fällen sowie versuchten Mordes in mindestens zwei Fällen. „Wir gehen von einer Amoktat aus“, sagte eine Staatsanwältin bei einem Pressestatement am Montagabend.

Wo sich der Vorfall in Leipzig ereignete

Der Fahrer ist nach ersten Erkenntnissen der Einsatzkräfte etwa einen halben Kilometer durch die Innenstadt gefahren. Am Augustusplatz fuhr er in die Grimmaische Straße hinein, eine Fußgängerzone mit zahlreichen Geschäften und angrenzenden Einkaufspassagen mitten in der sächsischen Großstadt. Von dort gelangte er laut Einsatzkräften bis in den Bereich des Marktplatzes.

Polizei sichert weiter Spuren

Die Grimmaische Straße führt vom zentralen Augustusplatz in die Leipziger Fußgängerzone bis zur Thomaskirche. In der Nähe befindet sich die Universität sowie die Nikolaikirche Leipzig, ein zentraler Ort der Friedlichen Revolution. Auch am Dienstag (5.4.) bleibt die Leipziger Innenstadt nach der Amokfahrt gesperrt. Passanten legen Kerzen und Blumen für die Opfer nieder.