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: „Wir sind alle Kollegen“

Alteingesessene Haller Friseure leben von der Stammkundschaft, Barbershops von ihrer eigenen. Wie halten Barbiere das untereinander?
Von
Axel Theurer
Schwäbisch Hall
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  • Im Haller-Barbershop in der Schwatzbühlgasse lassen sich Männer Haare und den Bart schneiden, wie Damir Marsicek (50), rechts im Bild, von Barbier Shaaban Qara Hassan. Einfach hingehen, das ist praktisch. Kunden warten bis zu einer Stunde. ⇥

    Im Haller-Barbershop in der Schwatzbühlgasse lassen sich Männer Haare und den Bart schneiden, wie Damir Marsicek (50), rechts im Bild, von Barbier Shaaban Qara Hassan. Einfach hingehen, das ist praktisch. Kunden warten bis zu einer Stunde. ⇥

    Ufuk Arslan
  • Friseur Jan Kyre bei der Arbeit im Haller Salon. Er bedient Frauen und Männer. Bärte schneidet er auf Wunsch auch.⇥

    Friseur Jan Kyre bei der Arbeit im Haller Salon. Er bedient Frauen und Männer. Bärte schneidet er auf Wunsch auch.⇥

    Ufuk Arslan
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Vor dem Ladenlokal in der Schwatzbühlgasse steht eine Menschentraube — rauchend, schwatzend, ins Smartphone vertieft. An einem Spätnachmittag mit angenehmen frühlingshaften Temperaturen warten sieben Männer auf ihren Barbier. Keiner hat einen festen Termin. Sie tragen sich in eine ausliegende Warteliste ein. „Als ich kam, standen vier Leute darauf“, weiß Aleksandar Lukcin (41). Seit etwa einer Stunde warte er schon. Demnächst sei er an der Reihe: „Das Warten macht mir nichts aus. Alle zwei bis drei Wochen komme ich her, wenn ich freihabe.“

„Rein, raus und gut“

„Ich bin oft auf Montage unterwegs“, erzählt Damir Marsicek (50), der sich im Haller–Barbershop gerade die Haare an den Schläfen rasieren lässt. „Es ist geschickt für mich, dass ich ohne Termin spontan herkommen kann. Es ist einfach unkompliziert. Rein, raus und gut.“ So mögen das offenkundig viele Männer. Außer den alteingesessenen Barbershops von Ersin Arslan und Alexander Sperling gibt es einen in der Blockgasse, in der Heimbacher Gasse und einen am Teurershof. Am Spitalbach öffnet in Kürze ein weiterer. Eine außergewöhnlich hohe Dichte dieser Geschäfte herrscht in Hall.

„Ich war 2019 der zweite Barbershop in Hall nach Alexander Sperling“, berichtet Ersin Arslan, Inhaber des Haller–Barbershops. Nach ihm haben drei weitere Läden aufgemacht. „Wenn jetzt noch weitere Barbershops öffnen, dann haben die anderen ganz schön zu knabbern.“ Am Samstag hat der Unternehmer seinen Barbershop in der Schulgasse nach Umbaumaßnahmen wieder eröffnet. Das Geschäft in der Schwatzbühlgasse sei nur übergangsweise dort gewesen. Mit inzwischen acht Plätzen für Kunden verkürze sich die Wartezeit bei ihm deutlich. „Das geht jetzt viel schneller“, sagt Ersin Arslan.

„Ich betreibe seit 2017 ein Wohnzimmer mit Dienstleistung für Herren“, sagt Alexander Sperling, studierter Betriebswirt und Inhaber des Barbershops „Sein Platz“ in der Haalstraße. „Meine Kunden bekommen, wenn sie mögen, ein Bier, einen Whisky oder einen Kaffee.“ Die Getränke gehörten bei ihm zum Service dazu. „Anfangs haben wir nur Bärte geschnitten. Dann habe ich eine Friseurmeisterin eingestellt, damit wir auch Haare schneiden dürfen. Ich finde, dass der Markt an Barbershops in Hall übersättigt ist.“ Die Barbershops füllen seiner Ansicht nach die entstandene Marktlücke reiner Herrensalons.

So sieht das auch Sabine Hammel, Obermeisterin der Friseurinnung Schwäbisch Hall: „Diese Geschäfte konzentrieren sich meistens auf das Herrenfach. Wir sind allesamt Kollegen, teilweise haben die Barbiere in Friseurläden ihre Ausbildung gemacht und dort Prüfungen abgelegt.“ Vor Kurzem hätten in Stuttgart einige Barbiere ihr Gewerbe nicht angemeldet. „Da kommen Zoll und Gewerbeaufsicht mit ins Spiel, das ist deren Aufgabe“, versichert Hammel. Solange die Leute im Barbershop gut arbeiteten und anständig dafür bezahlt würden, sehe sie keinen Handlungsbedarf seitens Innung: „Wenn das Gewerbe bei der Handwerkskammer angemeldet ist, haben wir nichts dagegen.“

Achim Kraisel, Fachexperte Handwerks– und Gewerberecht, teilt auf der Webseite der Handwerkskammer Stuttgart mit: „Wer nicht in die Handwerksrolle eingetragen ist, darf keine Friseurleistungen anbieten — andernfalls liegt unerlaubte Handwerksausübung vor.“ An die Barthaare dürfe ein Barbier, an die Kopfhaare nur ein eingetragener Friseurbetrieb mit Meisterbrief. Ein Friseur dürfe hingegen auch Bärte schneiden.

Der Haller Friseur Jan Kyre schneide auf Wunsch Bärte an einem geeigneten Platz in seinem Laden. „Aber das können die Barbershops besser“, räumt er ein. Man müsse nur sicherstellen, dass die rechtliche Situation in den Barbershops gleichwertig sei mit seiner eigenen. „Manche bewegen sich in einer Grauzone“, findet der Meister. „Wir spüren die Konkurrenz durch Barbershops nicht“, sagt er. Er sei in der dritten Generation Friseur. Sein Großvater habe bei Öhringen einen Salon gehabt. „Barbershops sprechen eine andere Zielgruppe an als ich. Wir hatten vor einiger Zeit zwar einen spürbaren Abgang an männlichen Kunden. Da habe ich selber auch überlegt, ob wir nicht solche Barbierleistungen anbieten sollen. Das haben Kollegen von mir gemacht, aber ich habe nicht die Räume dazu.“

Gelassene Friseure

„Barbershops sind keine Konkurrenz für mich“, erklärt Sarah Hertfelder (30), Inhaberin des Salons Chaarisma in der Langen Straße. „Ich betreibe meinen Salon in der fünften Generation. Seit 23 Jahren ist unser Familienbetrieb an diesem Standort. Wir haben eine völlig andere Zielgruppe und können auf unsere Stammkunden setzen.“

„Dass am Spitalbach jetzt noch ein Barbershop aufmacht, finde ich nicht gut“, sagt Florian Merz (43), der in der Schwatzbühlgasse schon seit etwa einer Stunde wartet. „So groß ist Hall auch nicht.“ Das Warten vor Ersin Arslans Laden lohne sich in seinen Augen. „Man muss sich eben einfach mal die Zeit nehmen.“