Brand in Umspannwerk: Stromausfall in Reutlingen – Was wir wissen und was nicht

Spurensicherung auf dem Gelände des Umspannwerks in Reutlingen: Vieles ist in dem Fall noch in Bewegung.
Christoph Schmidt/dpa- Brand im Umspannwerk Reutlingen-West führte zu großem Stromausfall – teils bis in die Kernstadt.
- In der Spitze ohne Strom: etwa 20.000 Haushalte, rund 40.000 Menschen betroffen.
- Feuerwehr löschte zwei brennende Trafos, Umspannwerk Mitte ist seit 6.00 Uhr wieder in Betrieb.
- Hinweise auf Brandstiftung: drei Brandstellen und möglicher Beschleuniger, Ermittlungen laufen.
- Versorgung wird schrittweise hergestellt, Klinikum hatte kurzzeitig Notbetrieb, Schaden wohl Millionen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nach einem Brand in einem Umspannwerk ist der Strom in der Region Reutlingen in Tausenden Haushalten ausgefallen. Der Netzbetreiber spricht von Hinweisen auf eine Brandstiftung. Waren tatsächlich Saboteure am Werk? Und wie lange dauern die Einschränkungen noch? Vieles bleibt bislang unklar. Eine Übersicht über die Fakten.
Was wir wissen
Brand: Die Feuerwehr wurde um 1.43 Uhr über den Stromausfall informiert. Zwei Minuten später erhielt die Feuerwehr den Hinweis auf den Brand im Umspannwerk. Nach Angaben der Einsatzkräfte standen zwei Trafos in Flammen. Nach Angaben der Stadt konnte der Brand gegen 2.15 Uhr unter Kontrolle gebracht und gegen 3.30 Uhr gelöscht werden. Das Umspannwerk Mitte ist laut Stadt seit 6.00 Uhr wieder in Betrieb. Insgesamt waren 200 Helfer im Einsatz.
Stromausfall: Laut Netze BW begann die Störung gegen 1.37 Uhr im Umspannwerk Reutlingen-West, kurze Zeit später fiel das gesamte Umspannwerk aus. Das Umspannwerk wird von der Netze BW und der FairNetz, die für die örtliche Versorgung des Stadtgebiets Reutlingen zuständig ist, gemeinsam betrieben. Da vom Umspannwerk Reutlingen‑West aus auch zwei starke Leitungen zum Umspannwerk Reutlingen‑Mitte führen, war laut Betreiber auch dieses Umspannwerk betroffen.
Ausmaß: In der Spitze waren etwa 20.000 Haushalte ohne Strom. Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) sprach von 7.600 Gebäuden und rund 40.000 betroffenen Menschen. Ab etwa 6.00 Uhr wurde die Kernstadt Reutlingen wieder mit Strom versorgt. Am Nachmittag wurde laut Stadt Reutlingen ein großer Teil der Privathaushalte in Betzingen und Ohmenhausen wieder an die Stromversorgung angeschlossen. Ohne Strom waren noch das Industriegebiet Mark West, das galt auch für die Gemeinden Kirchentellinsfurt und Wannweil. Wichtig sei vor allem, die Bevölkerung wieder mit Strom zu versorgen - auch mit Provisorien, sagte Jens Balcerek von den Stadtwerken. Er äußerte am Abend die Hoffnung, dass noch am Montag fast alle Privathaushalte wieder mit Strom versorgt werden können.
Einschränkungen: Für Menschen ohne Stromversorgung wird in der Nacht ein Notfalltreffpunkt eingerichtet, wie Bürgermeister Roland Wintzen sagte. Dort sollen Menschen etwa ihr Handy laden oder Babynahrung erwärmen können. Die Einschränkungen für die Menschen sollten so gering wie möglich gehalten werden. Eine zusätzliche Einsatzhundertschaft soll vor allem Streifen laufen, damit sich Menschen und Wirtschaft sicher fühlen können, wie Hagel ankündigte. Vom Stromausfall betroffen war auch das Reutlinger Kreisklinikum. Die Notstromaggregate seien sofort angesprungen, hieß es dort. Insgesamt seien zehn Operationen verschoben worden. Mittlerweile hat das Klinikum wieder Strom, wie Hagel sagte.
Spuren: Ermittler haben einen möglichen Brandbeschleuniger gefunden. Spuren, die am Brandort gesichert wurden, werden jetzt ausgewertet. Nach Angaben des Netzbetreibers Netze BW sind drei Brandstellen gefunden worden. Außerdem seien der Zaun und das Gelände vor der Anlage beschädigt, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Die Ermittler äußern sich dazu nicht. Nach Angaben von Oberbürgermeister Thomas Keck müssen drei zeitgleiche Brände nicht zwangsläufig auf eine Brandstiftung hindeuten. „Bei technischen Dingen kann es auch sein, dass Brände gleichzeitig ausbrechen.“
Was wir nicht wissen
Ursache: Sie ist noch nicht gänzlich geklärt, die Hinweise verdichten sich aber: „Wir gehen davon aus, dass es sich hier aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Brandanschlag handelt“, sagte Innenminister Alexander Dobrindt im ZDF. Auch Landeskriminalamt und Generalstaatsanwaltschaft teilten mit: „Es bestehen Anhaltspunkte dafür, dass der Brand durch eine vorsätzliche Straftat gelegt wurde.“ Das Staatsschutz- und Anti-Terrorismus-Zentrum des Landes hat die Ermittlungen übernommen. Bislang wurden keine Bekennerschreiben veröffentlicht. Landesinnenminister Hagel betonte zugleich, er werde „ergebnisoffen“ ermittelt.
Nach Angaben von Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck müssten auch drei zeitgleiche Brände im Umspannwerk auch nicht zwangsläufig auf eine Brandstiftung hindeuten. „Bei technischen Dingen kann es auch sein, dass Brände gleichzeitig ausbrechen.“
Mögliche Täter Auch wenn sich die Polizei noch nicht offiziell dazu äußert: Nach Einschätzung aus Sicherheitskreisen deute die Vorgehensweise auf linksextremistische Täter hin und weise Parallelen etwa zu entsprechenden Taten in Berlin auf. Das erfuhr die dpa am Montagnachmittag. Hinweise auf einen möglichen Drahtzieher im Ausland gebe es nicht. In Berlin hatte es im September 2025 und im Januar 2026 zwei mutmaßlich linksextremistisch motivierte Brandanschläge auf die Stromversorgung gegeben.
Dauer: Erste Reparaturarbeiten haben begonnen. Unklar ist, wann die Stadt und die umliegenden Gemeinden wieder ohne Einschränkungen am Netz hängen. „Eine belastbare Prognose zur vollständigen Wiederherstellung der Stromversorgung ist derzeit noch nicht möglich“, teilte die Stadtverwaltung mit. Nach Angaben von Richard Huber (Netze BW) könnte es bis zur Vollversorgung rund 48 Stunden dauern.
Schaden: Bislang wird der Schaden nach dpa-Informationen auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Offizielle Schätzungen dazu gibt es nicht.

